Freitag, 29. November 2013

[Autorendingens] Auschnitt 1: Normal sein wäre ja langweilig ...

Hallo :)
Da das Erscheinungsdatum immer näher rückt, bekommt ihr wieder jeden Tag Ausschnitte aus dem neuen Buch.




Da Serena ein völlig neuer Hauptcharakter ist, ähnelt sie Zoey nicht wirklich. Vielleicht ist sie am Anfang auch gereizt und zickig wie eine gewisse Sängerin, aber im Herzen ist Serena ein leicht abgedrehtes Mädchen, dass sich schmerzlich nach Liebe sehnt ... Während Zoey nicht mal in der Lage war, das Wort "Liebe" in ihrem Vokabular zu finden.


[...] Bis auf Zoey, Violet und Nell hatte ich keine weiteren Freundinnen,
'
aber die drei Verrückten reichten mir vollkommen. Ich konnte immer auf sie zählen – und sie natürlich auch auf mich. Egal, ob jemand ein Alibi brauchte, um die Nacht bei einem Jungen oder über die Toilettenschüssel gebeugt zu verbringe oder um sich den Liebeskummer von der Seele zu heulen. Auch Zickenkriege mit anderen Mädchen liefen immer gleich ab. Niemand hatte eine Chance gegen den festen Zusammenhalt unserer Clique. Außer, jemand musste wieder auf Zoeys Dach klettern und die Antenne richten, weil es wieder mal hieß: »Alle für ein gutes Fernsehbild – Zoey hilft uns nicht«.
Wir waren wie die vier Musketiere - nur komplett anders.

 Nein, meine Gedanken sind nicht immer verwirrend. Mir ist langweilig!
 Da Violet keine neuen und vor allem keine interessanten Bücher in ihrer Sammlung hatte und im Fernsehen wieder einmal nichts anderes lief als Mord und Totschlag oder Assi-TV, wo es eh nur darum ging, von wem und warum die ganzen Dreizehn- oder Vierzehnjährigen schwanger waren, weil sie ja noch nicht wussten, wie das mit den Blümchen und Bienen wirklich ging – wer’s glaubt! – oder wer wen mit wem betrogen hatte, musste ich mich mit meinem eigenen Gedanken beschäftigen, während ich darauf wartete, dass ich mir die Haare auswaschen konnte.
 Und diese Gedanken drehten sich seit Wochen leider nur um ein Thema: Snake.
 Nein, nicht um Schlangen, sondern um den Möchtegern-Rockstar Snake, früher bekannt als Simon.
 In meiner Geschichte gab es keine Prinzessin. Auch, wenn ich ein bisschen so aussah wie eine und - nein, ich war keine selbstverherrlichende Egomanin. Es existierten ebenso wenig ein Ritter und ein böser Drache ... obwohl man Zoeys Erzfeindin Stephanie mit Feuchtigkeitsmaske im Gesicht schon mal leicht mit einem Echsenviech verwechseln konnte. Aber nein. Hier gab es nur mein verrücktes Ich mit allen möglichen Macken und Problemen; dazu ein Arschloch, dessen Gefühlsleben dem eines Steins glich und außerdem einen hässlichen Schmerz, der mich nicht etwa zu einem eisverschlingenden Trauerkloß gemacht hatte, sondern zu einem rachsüchtigen Individuum, das erst ruhen würde, wenn das Arschloch wusste, was es mir angetan hatte!
 Alles in dieser Liebesgeschichte hatte so schön angefangen: ein Mädchen, ein Junge und die spürbare Liebe, die zwischen beiden herrschte. Meine Aura hatte sicherlich rosarot geglommen und Simons ... na ja, in einer nicht ganz so ... grellen Farbe.
 Die Wochen mit Simon waren die schönsten meines Lebens gewesen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich einen Menschen so lieben könnte und erst recht nicht, dass jemand wie Simon auch etwas für mich empfinden würde.
 Dann wurden die rosaroten Wolken, auf denen ich mit ihm geschwebt hatte, eine nach der anderen abgestochen wie von einem irren Seifenblasenserienmörder, der seinen Beruf gewechselt hatte und nun Wolken abschlachtete. Zurück blieb ich mit einer Krone, die vom Fall aus den Wolken ein paar Zacken eingebüßt hatte und einem Herz, das wohl für immer in mehr Teile als die Bestandteile eines Ikea-Regals zerbrochen sein würde.
 Es hatte geholfen, Simon nicht sehen zu müssen, aber dann musste er ja wiederkommen und unbedingt in Alex' Band aufgenommen werden, in der eine meiner Freundinnen sang - die ganz nebenbei etwas mit diesem Alex hatte.
 Als Kirsche auf meinem Eisbecher aus Schmerz und Leid thronte die Tatsache, dass Simon, der sich wie gesagt Snake nannte, mich einfach ignorierte und so tat, als würde er mich nicht kennen!
 »Serena lässt so etwas nicht mit sich machen!«, sagte ich streng zu meinem Spiegelbild. Ich hob drohend meinen Zeigefinger, aber meine hellblau lackierten Nägel mit den aufgemalten Smileys verringerten die Wirkung der Geste stark. Auch meine Haare, die mit dem Haarfärbemittel zu einem Monster aufgetürmt waren, minderten meine Gefährlichkeit. »Serena geht jetzt zu Simon und geigt ihm ordentlich die Meinung! Oder Serena heult ...« [...]

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