Sonntag, 30. März 2014

[Autorendingens] Ausschnitt 1: Die Königin der Flirterei - NICHT

So, da in wenigen Tagen mein drittes Buch erscheint, poste ich wieder die besten (und die, die nicht so sehr spoilern) Szenen aus dem Buch :3

[...]


»Ich wette, dass dir noch kein Mädchen gesagt hat, dass sie sich wünscht, deine Gitarre zu sein.«
Wegen so eines Spruchs bevorzugte ich es normalerweise zu denken. Kaum hatte ich diese sinnlose Aneinanderreihung von Wörtern über meine Lippen gebracht, schaltete ich mein Gehirn wieder ein.
Die schlanke Gestalt an der Bar blickte zu mir hoch. Aus der Nähe betrachtet, war David noch viel heißer: Ein paar dunkle Bartstoppeln zierten sein blasses Gesicht und seine Augen waren nicht nur grün, sie hatten auch blaue Sprenkel und erinnerten an Alex.
Wie es sich wohl anfühlen würde, wenn diese Stoppeln über meine Haut kratzten? Gefolgt von einer Spur von Küssen war das sicher der Himmel auf Erden!
Keine weiteren Fantasien mit David, Violet!, ermahnte mich die Frau Oberin, oh ich meinte natürlich Zoeys Stimme.
Plötzlich neugierig geworden, stellte er sich in aufrechter Haltung vor mich hin. Er war mehr als einen Kopf größer als ich. Was mich nicht wunderte. Ich war knapp einsfünfundsechzig und musste mir manchmal im Supermarkt schon Lebensmittel mit der Handtasche vom Regal schubsen.
»Nein«, sagte er knapp. Er ließ seine grünen Augen einmal ausschweifend über meinen Körper wandern.
Ich will jetzt auf keinen Fall wie eine selbstverliebte Egomanin klingen, aber ich finde mich selbst nicht gerade hässlich. Und viele Jungs sind derselben Meinung.
Hoffentlich gefiel David das, was er gerade sehr gut sehen konnte.
Wenn mein Äußeres ihn ansprach, dann würde es mir bestimmt viel leichter fallen, sein Vertrauen zu erschleichen. Die Chancen standen eigentlich recht gut. Alex stand auf außergewöhnliche Mädchen, wie Zoey eines war. Meine beste Freundin mit ihrem schwarzen Pony und ihren braunen Rehaugen hatte Alex von Anfang an angezogen.
Mit meinen leicht gewellten, dunkelvioletten Haaren, grünen Augen und zwei anderen nicht minder kleinen Vorzügen rechnete ich mir meine Chancen bei David recht optimistisch aus.
Außerdem hatte ich mich bei Minustemperaturen in ein hautenges violettes Kleid gezwängt, um meine Vorzüge noch mehr zu betonen. Ich trug keine Strumpfhose, sondern nur hohe schwarze Stiefel.
»Ich bin Violet«, sagte ich.
Ich streckte ihm nicht die Hand entgegen oder fing mit dem Küsschen-Getue an. David schien mir nicht der Typ für so etwas zu sein.
Mit einem strahlenden Lächeln lehnte ich mich an die schwarze Theke.
»Ich bin wirklich beeindruckt von deinen Gitarrenkünsten«, schwärmte ich wie ein Fangirl. »Und erst von deiner Stim-«
»Ist das dein richtiger Name?« David wandte sich von mir ab und starrte die zahlreichen Alkoholflaschen im Regal hinter der Bar an.
»Was?«, fragte ich verwirrt.
Er stöhnte laut. »Soll ich dir wirklich abkaufen, dass du Violet heißt? Violette Haare ist gleich Violet. Wie kindisch muss man sein, um sich einen Fake-Namen zuzulegen?«
Verlegen wickelte ich mir eine violette Strähne um den Finger. »Samantha«, murmelte ich so leise, dass ich davon ausging, dass es David nicht hören würde. »Mein richtiger Name ist Samantha.«
Mein eigener Name fühlte sich fremd und eigenartig auf meiner Zunge und ungewohnt in meinen Ohren an. Seit ich vor einigen Jahren angefangen hatte, mir die Haare immer wieder violett nachzufärben, hatten die Leute aufgehört, mich bei meinem alten Namen zu nennen. Die Lehrer nannten mich bei meinem Nachnamen Egger. Selbst meine Freundinnen, die mich noch als Samantha kannten, riefen mich Violet.
»Geht doch«, meinte David.
Verglichen mit Alex war David so wortkarg wie ein Lexikon im Gegensatz zu einem Malbuch. Sein kleiner Halbbruder redete manchmal unaufhörlich: Er redete mit Zoey oder mit uns, telefonierte mit seinen Freunden, sang leise neue Songs vor sich hin und wenn er wirklich mitteilungsbedürftig war, dann äußerte er sich mit einer Videobotschaft auf der Band-Homepage.
Wenn man leise war, konnte man die Grillen im Club zirpen hören – wörtlich gemeint.
Ich hatte mir keine anderen Phrasen zurechtgelegt, weil ich nicht geahnt hatte, dass David so gar keine Smalltalk-Granate war und nicht einmal ein klein wenig auf mein knappes Outfit anspringen würde.
»Gott, bist du langweilig.«
In meinem Terminplaner stand, dass mich David heute um meine Telefonnummer anbetteln würde – vielleicht sogar auf den Knien? Stattdessen war er völlig unbeeindruckt von mir. Er warf meinen ganzen Terminplan durcheinander!
Er hatte anscheinend Ohren wie eine Fledermaus, denn er blickte mich mit stummer Wut in den grünen Augen an. »Warum nervst du mich dann noch länger, Samantha?«
Ich brauchte ein paar Sekunden, um zu kapieren, dass er mit Samantha mich meinte.
Ach, ich bin Zoeys beste Freundin. Von der soll ich dir übrigens einmal kräftig in den Arsch treten, dachte ich sarkastisch. Der Teil in mir, der Zoey ähnelte, wollte ihm mit meinen neu gekauften Stiefeln in den Arsch treten. Und noch einmal für Alex, Kyle, Nell und Craig, Serena und Simon.
»Ich kenne hier keinen.« Während ich an der Bar lehnte, übte ich schon einmal, David mit perfektem Schwung im perfekten Winkel einen Tritt in seinen knackigen Arsch zu geben. »Ich komme nicht aus der Gegend.«
Weil ich für dich extra eine Dreiviertelstunde zu diesem beschissenen Club fahren musste, beklagte ich mich stumm.
Ich fragte mich, ob ich das Benzin für mein Auto irgendwo als Pendler abschreiben konnte. Meine Mutter jammerte ohnehin schon die ganze Zeit rum, dass mein Spritverbrauch „gigantisch“ wäre, während mein Stiefvater – ups, ich meine das Stiefding – dazu noch dauernd ergänzte, dass ich ein „verwöhntes Gör“ wäre. Dass er seiner eigenen Tochter am Monatsanfang zweihundert Euro für Klamotten und anderes zusteckte, vergaß er anscheinend nur all zu gern.
Das weckte anscheinend ein wenig seine Neugier. »Woher kommst du denn?«
»Lass uns doch nicht über so etwas Unwichtiges reden!« Hätte ich ihm die Wahrheit gesagt, nämlich, dass ich in Salzburg lebte, ein ganzes Stück weit weg von diesem Kaff in Oberösterreich, hätte David sich denken können, dass ich Alex kannte. »Was hast du morg-«
Schon wieder unterbrach mich David mit seiner rauen Stimme. »Ich habe keine Lust, mit dir zu flirten.« Er stöhnte leise. »Wir können gleich das Ganze überspringen und miteinander ins Bett steigen.«
Endlich hatte ich eine Ähnlichkeit zu Alex gefunden! Obwohl ich nicht sehr glücklich darüber war, dass er auch zu dieser Sorte Jungs gehörte, die dich am nächsten Tag am liebsten mit dem Bett aus dem Zimmer werfen wollten.
Alex hat sich auch geändert.
Zum Glück war es mir ziemlich egal, dass David dem früheren Alex glich. Es wäre sicher ein Erlebnis der besonderen Art gewesen, mit ihm zu schlafen. Da die Sache mit Kyle eine offene Beziehung war, hätte es auch keine Probleme gegeben, aber ich hatte mir vor Jahren geschworen, dass mir ein Junge nie wichtiger als meine Freundinnen werden durfte. Sex mit Alex Halbbruder zu haben, wäre da Hochverrat!
»Ach David«, raunte ich ihm zu. Um über meine Unsicherheit wegen seinem sicher nett gemeinten Vorschlag hinwegzutäuschen, erklärte ich mit rauer, sprich verführerischer Stimme. »Ich würde nichts lieber tun …« Aber ich habe eine ansteckende Geschlechtskrankheit. Ich war mal ein Kerl. Ich habe einen Keuschheitsring. Wo der ist? Der liegt zu Hause neben meiner Nonnenkutte.
»Aber …« Sanft strich ich über die Saiten von Davids schwarzer Gitarre und klimperte mit den Wimpern. Wenn ich David eine Abfuhr verpasste, fand er mich vielleicht endlich heiß! »Leider …«
»Plink!«, machte die Gitarre.
»Oh.« Ich starrte die gerissene Saite, die sich wie eine Locke ringelte, an. »Kann man das kleben?«
»Raus.« Ich war überrascht, wie beherrscht Davids Stimme klang. »Verschwinde von hier!«
»Äh, dann bis irgendwann mal, David.«
[...]

Kommentare:

  1. Ich liebe Violet und David <3
    Die beiden gehören zu meinen Lieblingspärchen...obwohl ich natürlich alle mag :D
    Hach und diese Szene ist so... David ist toll, auch wenn er da noch ein bisschen ein Arsch ist :D

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  2. Hach, das Buch muss bald dringend von mir gelesen werden. *-* Die beiden werden mir sehr gefallen, das sagt mir meine weibliche Intuition. :D

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  3. Ich habs mir nicht durchgelesen, damit ich das Buch ohne Vorahnung genießen kann ^^ Liebst, Emme ♥

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